Abschied nehmen – Dem Hund den Abschied erleichtern

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Abschied nehmen vom Hund ist für die meisten Menschen der schwierigste Weg. Wie Sie den endgültigen Abschied für das Tier würdevoll gestalten können, erfahren Sie hier.

Sie merken, wann es so weit ist

Sie merken, wann es so weit ist

Wenn Du jemals ein Tier liebst, dann gibt es drei Tage in Deinem Leben, an die Du Dich immer erinnern wirst … (Auszug aus Lebendige Liebe von Martin Scot Kosins, frei übersetzt von Lutz Schneider).

Ein schmerzvolles Erlebnis

Ganz egal, wie lange der Hund uns begleitete, ob aus Altersgründen oder nach schwerer Krankheit – der Tod ist für alle, die ihr Tier lieben und als Familienmitglied betrachten ein einschneidendes und schmerzvolles Erlebnis. Leider wird den Haltern die Entscheidung des Todeszeitpunktes durch das friedliche Einschlafen des Hundes nur selten abgenommen. Die Realität sieht einfach so aus, dass wir selbst erkennen müssen, wann eben dieser richtige Zeitpunkt gekommen ist, um dem Tier unnötige Schmerzen und Leiden zu ersparen.

Warum fällt das Loslassen so schwer?

Niemand möchte sich von seinem Hund trennen, denn selbst nach 15 Jahren kommt der Abschied viel zu früh. Umso wichtiger ist es, nun seine eigenen Wünsche zurück zustellen, den Egoismus beiseite zu schieben, um die Entscheidung treffen zu können. Auch Angst spielt eine große Rolle. Angst, einen zu frühen Zeitpunkt, aber auch zu späten zu wählen. Vor allem bei Hunden, deren Zeit aus Altersgründen gekommen ist, fällt es besonders schwer.

Ist der Hund schwer erkrankt, bietet der Tierarzt mit seinem Fachwissen eine Entscheidungshilfe. Er kann oft angeben, ob und wie lange dem Hund noch tatsächlich Lebensqualität erhalten bleibt. Doch bei einem alten Hund ist das viel schwerer zu sagen. Es gibt Tage, da tollt er noch wie ein Junghund herum, versucht es zumindest, an anderen Tagen hat man Angst, dass er den nächsten Morgen nicht mehr erlebt. Wie soll man da nur erkennen können, wann es Zeit ist, den geliebten vierbeinigen Freund gehen zu lassen?!

Sie werden es wissen!

Es mag sich für Sie seltsam anhören, wenn ich Ihnen jetzt sage, dass Sie es einfach wissen werden. Vor etwas mehr als zwei Jahren stand ich selbst vor dieser Frage und auch mir wurde gesagt: Du wirst es wissen! Und so war es dann tatsächlich auch. Erklären kann es wahrscheinlich niemand. Etwas verändert sich. Bei meiner Hündin war es ihre Lustlosigkeit am Draußen sein, ihr Wunsch, sich möglichst nah am Hauseingang aufzuhalten, die Verweigerung der leckersten Häppchen – eben viele Kleinigkeiten und etwas in ihrem Blick, der zu sagen schien: Es ist schon in Ordnung, ich bin jetzt wirklich müde. Also sag endlich, dass Du klar kommst und ich endlich gehen darf.

Extreme Gewichtsabnahme fällt auf

Jeder Hund geht anders auf sein Ende zu. Was allen alten Hunden zu jenem Zeitpunkt allerdings gemeinsam scheint, ist die extreme Gewichtsabnahme. Das regelrechte Abmagern erfolgte immer innerhalb weniger Wochen, selbst dann, wenn der Hund noch mit gutem Appetit fraß. Besonders stark sichtbar tritt dann die Wirbelsäule hervor, auch sind die Flanken wesentlich eingefallener.

Meine Hündin z.B. wog zeitlebens etwa 30 Kilogramm und galt damit nicht wirklich als Leichtgewicht. In den letzten vier Lebenswochen wurde der Kopf noch trockener, die Knochen traten stark hervor und somit auch die Wirbelsäule. Als ich sie an ihrem letzten Tag hinaus trug, erschien sie mir leicht wie eine Feder. Es war keine Kraftanstrengung mehr notwendig, um den Hund auf den Arm zu nehmen.

Gleiches konnte ich eben auch bei anderen alten Hunden, die kurz vor ihrem Ableben standen, beobachten. Nehmen Sie diese extreme Gewichtsabnahme wahr, beobachten Sie Ihren Hund noch mehr als früher. Wie bereits gesagt, etwas wird sich verändern. Da ist etwas in den Augen Ihres Hundes, in seinen Bewegungen, überhaupt im gesamten Verhalten, was vom nahen Abschied kündet. Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut.

Entscheidungen müssen getroffen werden

Auch wenn es schwer fällt: Kommt Ihr Hund in das Alter, machen Sie sich ganz bewusst mit dem Gedanken vertraut, dass unter Umständen nun auch bald die Entscheidungsfindung auf Sie zukommt.

» Sprechen Sie mit dem Tierarzt:
Gespräche mit dem Tierarzt sind hilfreich. Auch bereits die Absprache, wie eben jener Tag zu handhaben ist, sollte mit dem Tierarzt im Voraus getroffen werden. Besonders bei sehr kranken Hunden bietet der Tierarzt mit seinem Fachwissen eine Entscheidungshilfe. Er wird Sie auch am besten darüber beraten können, wie Sie die letzten Tage Ihres Hundes gestalten sollten.

» Machen Sie sich Gedanken über die Bestattung:
Für das Danach muss ebenfalls Vorsorge getroffen werden. Möchten Sie Ihren Hund nicht schnöde der Tierverwertung überlassen oder irgendwo begraben, bieten sich heute Möglichkeiten, würdevoll Abschied zu nehmen. Auch wenn es schwer fällt, sollten Sie sich nach der für Sie besten Variante rechtzeitig umsehen.

» Sprechen Sie mit Ihren Kindern:
Haben Sie Kinder, sprechen Sie mit ihnen über das nahende Ende des geliebten Spielkameraden. Der Tod gehört zu unserem Leben und sollte kein Tabuthema sein. Außerdem erkennen auch Kinder, dass der früher so agile vierbeinige Spielkamerad einfach nicht mehr so kann, wie er vielleicht möchte. Ist der Todestag da, wird der Schock und die Trauer über den Verlust noch groß genug sein, aber auch Trost lässt sich mit entsprechender Vorbereitung besser spenden.

» Gedanken über einen neuen Hund machen:
Was ich Ihnen jetzt rate, mag Ihnen makaber und herzlos erscheinen, macht aber Sinn, wenn es erst so weit ist. Sollte für Sie bereits feststehen, dass auf jeden Fall wieder ein Hund Ihr Leben begleiten soll, vor allem wenn es sich um einen Rassehund handelt, holen Sie ruhig schon zu Lebzeiten Ihres alten Hundes Informationen über mögliche Rassen und Züchter ein, knüpfen Sie Kontakte. Das ist kein Verrat an Ihrem alten Hund, es lindert auch nicht den Schmerz des Abschieds, aber der Gedanke an ein neues Hundeleben hilft, ein wenig leichter in die Zukunft zu blicken. Sind Sie dann später für einen neuen Hund bereit, haben Sie zudem bereits das Wissen und die Kontakte, um sich dann auch nicht zu einem Spontankauf hinreißen zu lassen.

Tierklinik oder Zuhause?

Ersparen Sie Ihrem Hund den Stress
Ist der unvermeidliche Tag gekommen, sollte mit dem Tierarzt bereits abgeklärt sein, ob das Einschläfern zu Hause stattfindet, oder in der Tierklinik. Aus eigener Erfahrung kann ich nur das Zuhause empfehlen. Ersparen Sie Ihrem Hund den letzten Stress einer Fahrt zur und den Besuch in der Tierarztpraxis nach Möglichkeit. Sein Zuhause ist ihm vertraut und gibt ihm Ruhe. Und ist es nicht auch würdevoller, im eigenen Bett einschlafen zu dürfen, als auf einem kalten, sterilen OP-Tisch seinem Ende entgegen zu sehen?

Hunde wirken beim Tierarzt meist sehr gelassen
Bei meiner Hündin hatte ich den Eindruck. Stets ängstlich bei Tierarztbesuchen, auch wenn es Heimbesuche waren, schien ihr an jenem Tag der Tierarzt ein willkommener Gast zu sein. Ich hatte im Voraus bereits von vielen Hundebesitzern gehört, dass der Hund zu wissen scheint, wann sein letzter Tag gekommen ist, sich vorher sogar irgendwie von allen verabschiedet und den Tierarzt an jenem Tag mit erstaunlicher Gelassenheit zur Kenntnis nimmt. Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen. Und ganz ehrlich: Der Abschied zu Hause gibt auch Ihnen Raum, sich Ihrer Trauer, unbeobachtet von neugierigen, mitleidsvollen Blicken, hinzugeben.

Sperren Sie Ihre anderen Hunde nicht aus
Haben Sie einen Zweithund oder mehrere Hunde, sperren Sie diese nicht aus. Geben Sie ihnen selbst die Gelegenheit Abschied zu nehmen, zu sehen, was mit dem Kumpel passiert ist. Hunde begreifen! Auch der zurückgebliebene Hund trauert um den Gefährten. Ich habe einen Spitz erlebt, der noch Jahre nach dem Ableben seiner Ziehmutter, einer Schäferhündin, immer wieder an deren Grab im heimischen Garten für ein paar Minuten verweilte. Ist der alte Hund plötzlich einfach nur weg, sucht der Zurückgebliebene ständig nach dem verlorenen Partner und es fällt ihm unter Umständen sogar schwerer, sich einem Neuzugang zu öffnen.

Wohin mit dem verstorbenen Hund?

Wie bereits erwähnt, ist es sinnvoll sich nach den möglichen Alternativen rechtzeitig umzusehen:

» Hund beim Tierarzt lassen:
Sie können den Hund beim Tierarzt belassen und ihn fachgerecht von der Tierverwertung entsorgen lassen.

» Hund selber begraben:
Viele begraben den treuen Wegbegleiter auch an einem Lieblingsplatz im Wald oder im Garten. Dabei dürfen Sie sich allerdings nicht erwischen lassen, denn offiziell ist das verboten!

» Hund vom Tierbestatter abholen lassen:
Entscheiden Sie sich für den Tierbestatter, holt dieser den verstorbenen Hund auch vom vereinbarten Ort ab, sodass Ihnen keine zusätzlichen Wege entstehen.

Erdbestattung, Feuerbestattung oder Diamantbestattung

Heute können Sie sich bei einer Bestattung auf dem Tierfriedhof von Ihrem Hund verabschieden, aber im Falle der Feuerbestattung auch die Asche mit nach Hause nehmen.

» Erdbestattung:
Für die Erdbestattung halten Tierbestatter Särge einfacher sowie auch gehobener Machart bereit. Die Kosten richten sich nach Art der Bestattung, der Größe des Tieres und obliegen natürlich auch der Kalkulation des jeweiligen Unternehmens. Bei manchen Anbietern ist die Abholung im Preis inbegriffen, bei anderen wird sie zusätzlich berechnet. Rechnen Sie auf jeden Fall um die 200 Euro für die Bestattung, mehr geht immer. Bei der Erdbestattung auf dem Tierfriedhof sollten Sie übrigens auch die Folgekosten für den Grabplatz einberechnen. Da jedoch auch ein Hund langsam altert, haben Sie eigentlich ausreichend Zeit, Vorsorge für die zu erwartenden Kosten zu treffen.

» Feuerbestattung:
Wählen Sie die Feuerbestattung, können Sie natürlich auch einen Grabplatz auf dem Tierfriedhof wählen. Möchten Sie Ihren Hund weiterhin in Ihrer Nähe wissen, ist es Ihnen beim Tier, anders als bei der Asche menschlicher Verblichener, erlaubt, die Urne mit nach Hause zu nehmen. Für diesen Fall bieten Tierbestatter Urnen an, die so gar nicht an Aschegefäße erinnern. In verschiedenen Formen und wunderschön gestaltet lässt sich für diese garantiert ein würdiges Plätzchen zu Hause finden.

» Tier ausstopfen lassen:
Noch relativ neu in Deutschland ist der Trend, das Tier ausstopfen zu lassen. Diese Vorgehensweise ist sicher mehr als nur eine Geschmacksfrage.

» Diamant-Bestattung:
Eine für viele Hundehalter sicher recht reizvolle Variante ist die Diamant-Bestattung. Wobei man hier nicht wirklich von einer Bestattung reden kann, denn aus der Asche des Hundes wird in diesem Fall nämlich ein Diamant hergestellt. Diamonds are forever mag einem da lächelnd durch den Kopf gehen, doch leider kostet dieser extravagante Umgang mit der Asche des verstorbenen Hundes derzeit noch mindestens 3000 Euro und verlangt neben der großen Liebe zum Tier eben auch einen entsprechend großen Geldbeutel.

Informationen zum Thema Tierbestattung, auch regional gelistete Anbieter, finden Sie im Internet. Auch der Bundesverband der Tierbestatter e.V. hält entsprechende Informationen bereit.

Ein Rat zum Schluss:

Für den Umgang mit Ihren Befürchtungen, Ängsten und später auch der Trauer kann ich nur empfehlen: Reden Sie darüber! Reden ist hier die beste Medizin gegen den Schmerz. Verdrängen Sie die Angst und die Trauer nicht. Es wird Ihnen sichtlich gut tun, wenn Sie mit jemanden reden. Reden Sie vorher und nachher mit Menschen, die Ihren Hund gut kannten und mochten. Sie werden traurig sein und weinen, aber auch sich erinnern und lachen. Und irgendwann tritt der Tod in den Hintergrund, doch der Hund bleibt im Herzen.

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