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Alte Hunde – Tipps für den Umgang

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, ab dem Ihr Hund alt ist. Was Sie mit einem alten Hund erleben können und wie sich Ihr gemeinsames Leben optimal gestaltet, lesen Sie hier.

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Ein untrügliches Zeichen für einen alten Hund: das weiße Fell im Gesicht. © Mary Lynn Strand/ stock.adobe.com

Das erste Grau

Das Aufstehen fällt schwerer, Wanderungen werden langsamer und die ersten grauen Haare zeigen sich an der Schnauze. Die Jahre verflogen unbemerkt und aus Ihrem Welpen wurde ein wunderschöner erwachsener Hund. Sie beide wuchsen im Laufe der Zeit zu einem echten Team heran. Und dann sehen Sie sie: die ersten grauen Haare an der Schnauze. Nun fällt Ihnen auch auf, dass Ihrem Hund in letzter Zeit das Aufstehen etwas schwerer fiel, Spaziergänge gemächlicher wurden und Spiele nicht mehr so lange dauern.

Doch Ihr Hund ist nicht krank, er wird eben einfach nur alt. Er möchte ebenso wie früher Ihr Begleiter in allen Lebenslagen sein, beschäftigt und gefordert werden wie vormals nur eben etwas langsamer, kürzer, ruhiger. Stimmen Sie sich einfach auf den neuen Lebensrhythmus ein, drosseln Sie Ihr Tempo, legen Sie mehr Pausen bei Ausflügen ein und verkürzen Sie die Spieldauer.

Der Körper verändert sich

Neben den grauen Haaren und der gemächlicheren Gangart wird Ihnen auch auffallen, dass sich der Körper im Allgemeinen verändert. Faltige Hunde werden noch faltiger, ehemals sehr muskulöse Hunde verlieren an Muskelmasse und das Fell verliert nicht selten an Glanz. Manche Hunde neigen zum Dickwerden, andere nehmen ab. Hunde mit glatter Gesichtshaut erhalten einen trockenen Kopf, das Gesicht des Hundes wird regelrecht zum Altmännergesicht, respektive Altfrauengesicht.

Die Augen verlieren an Glanz, Sehschwäche stellt sich ein, manchmal verändert der Graue Star eine oder beide Pupillen. Hinter dem einst glanzvollen Schwarz oder warmen Braun schleicht sich ein bläulicher Schimmer, der meist erst nur bei direktem Lichteinfall zu erkennen ist. Ähnlich ergeht es dem Hörsinn. Auch er nimmt vor allem in hohem Alter ab, bestimmte Tonhöhen oder Tiefen kann Ihr Hund nicht mehr hören.





Das Alter kommt in Schüben

Zunächst sind es nur die grauen Haare, die vom Altern Ihres Hundes künden. Nach und nach stellen sich dann die anderen Merkmale ein. Es wird Zeiten geben, in denen sich Ihr Hund wir früher verhält. Dann wiederum beginnt ein regelrechter Alterungsschub. Ist dieser nach wenigen Tagen zum Stillstand gekommen, hat sich auch Ihr Hund ein wenig verändert. Zuerst kommen die Alterungsschübe meist in recht großen Abständen. So fallen Sie Ihnen zu Beginn wahrscheinlich auch gar nicht auf. Doch im Laufe der nächsten Jahre verkürzen sich diese Abstände, teilweise sogar bis auf wenige Wochen.

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Lassen Sie es gemächlich angehen. © Carola Schubbel/ stock.adobe.com

Altersbedingte Krankheiten

Natürlich bringt das fortschreitende Alter auch Krankheiten mit sich. Arthrose und Herzschwäche gehören beim Hund wie beim Menschen zu den häufigsten Altersbeschwerden. Nicht selten kommen auch Verdauungsprobleme, Inkontinenz und unter Umständen auch Nierenerkrankungen oder gar ein Schlaganfall hinzu. All die Krankheiten, die uns Menschen im Alter begleiten, sind häufig auch Begleiter Ihres alten Hundes.

  • Lassen Sie Ihren Hund nun einmal öfter als bisher vom Tierarzt checken (Herz, Lunge, Bewegungsapparat).
  • Prüfen Sie regelmäßig den Atem. Riecht er z. B. nach Urin, kann dies ein Hinweis auf Nierenprobleme sein.
  • Die Krallen wachsen nun meist schneller, als sie sich ablaufen. Kürzen Sie diese bei Bedarf regelmäßig.
  • Prüfen Sie das Gebiss auf Zahnstein und Zahnentzündungen. Vor allem bei ungewohnt schlechten Fressverhalten kann hier die Ursache liegen.
  • Stellen Sie das bisherige Futter um. Egal ob Sie Trockenfutter oder Nassfutter reichen, selbst kochen oder Barfen – der alte Hund hat einen geringeren Energiebedarf. Deshalb sollte vor allem der Proteingehalt des gewählten Futters niedriger als bisher sein.
  • Achten Sie mehr als früher auf die Linie Ihres Hundes. Ein normalgewichtiger Hund hat größere Chancen auf eine, natürlich altersbedingt gesunde, längere Lebensdauer. Übergewicht schlägt sich beim alten Hund auf Bewegungsapparat, Herz und Leber stärker nieder.
  • Achten Sie auf das Trinkverhalten. Erhöhter Durst kann auf Diabetes hinweisen.

Starrsinn oder Unwohlsein?

Auch die Gehirnleistung Ihres alten Hundes lässt nach, wenn dies häufig  auch erst in wirklich fortgeschrittenem Alter auffällig wird. Hunde zeigen tatsächlich einen gewissen Altersstarrsinn. Plötzlich erinnert er Sie wieder an Ihren allerersten gemeinsamen Spaziergang, als der Welpe sich plötzlich setzte und durch nichts zu bewegen war, Ihnen zu folgen. Was der alte Mann, die alte Frau, nicht will, macht er/sie auch nicht. Da helfen weder gutes Zureden noch Schimpfen. Der bisher wunderbar gehorchende Hund ignoriert Sie einfach und das mit erstaunlicher Ausdauer. Manchmal muss man dann einfach nachgeben.

Die Schwierigkeit liegt oft im Erkennen der Sachlage. Hat Ihr Hund wirklich nur einen altersbedingten Starrsinnsanfall oder geht es ihm im Moment nicht gut. Es wird Situationen geben, die anrührend menschlich wirken. Ihr Hund geht z. B. in die Küche und bleibt stehen, scheinbar mit der Frage beschäftigt: Was wollte ich hier doch gleich?, um dann die Küche wieder zu verlassen, auf halben Weg doch wieder zurückzukehren, um dann endlich zum Wassernapf zu gehen.

Auch Hunde können demenzkrank werden

Altersdemenz oder eine Art Alzheimer kann Ihren alten Hund ebenfalls treffen. Hat ein gründlicher Gesundheitscheck beim Tierarzt keine organischen Veränderungen feststellen lassen, ist das veränderte Verhalten auch durchaus auf Demenz zurückzuführen. Anzeichen dafür äußern sich häufig so:

  • Der Hund tapst in der Nacht ständig unruhig durch Haus oder Wohnung.
  • Völlig desorientiert sucht er Türen an der falschen Stelle.
  • Er starrt mit leerem Blick in die Ferne oder die Wand an.
  • Sinnestäuschungen verwirren und führen zu völlig unerklärlichen Verhaltensweisen, z. B. aufgeschrecktes Bellen, obwohl wirklich alles ruhig ist.
  • Das Schlafbedürfnis verändert sich und verringert oder vergrößert sich auffällig.
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Viele, aber nicht alle alten Hunde haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis. © sanechka/ stock.adobe.com
  • Stereotypes Verhalten und Zwangsverhalten, wie z. B. ständiges Pfotenknabbern, Lecken oder im Kreis drehen, sind zu beobachten.
  • Der Hund erkennt Sie plötzlich nicht mehr.
  • Seine Reizschwelle sinkt rapide, er reagiert ungewohnt schnell aggressiv.
  • Der Hund wird ängstlich, kann sogar regelrechte Phobien entwickeln.

Was können Sie für Ihren Hund dann tun?

Da dem Hund sein Zustand nicht bewusst ist, leidet er mit Sicherheit weitaus weniger unter seinem Zustand als Sie. Was können Sie für Ihren Hund dann tun?

  • Machen Sie sich klar, dass der Hund sich nicht so verhält, weil er Sie ärgern will, sondern weil er einfach nicht anders kann. Lassen Sie Nachsicht und Rücksicht walten.
  • Sorgen Sie für viel Ruhe, möglichst wenig Veränderungen im Umfeld und optimale medizinische Versorgung.
  • Meiden Sie Hektik, Aufregung und Trubel. Wichtiger denn je ist jetzt die Einhaltung von festen Zeiten und bekannten Ritualen. Dazu gehören auch immer der gleiche Futterplatz, bekannte Spazierwege und Begegnungen mit alten Hundebekannten. Vertraute Umgebungen, Hunde und Handlungen geben Ihrem Hund jetzt Sicherheit.
  • Schmusen Sie mit Ihrem alten Hund, gönnen Sie ihm Streicheleinheiten und sanfte Massagen, das beruhigt oft.
  • Fördern Sie die verbliebenen Fähigkeiten Ihres Hundes. Kleine Suchspiele beispielsweise locken ihn häufig aus seiner nun oft sehr eigenen Welt.
  • Kaufen Sie Ohropax. Das wird Ihnen die notwendige Nachtruhe ermöglichen, obwohl Ihr Hund ständig durch Wohnung oder Haus wandert oder plötzlichen Bellattacken und Heulattacken erliegt.

Ist der Hund körperlich soweit gesund und das Demenzverhalten bedeutet keine Gefahr für ihn, Sie und Ihre Nachbarschaft, dann ist die Erkrankung zwar eine Belastung, jedoch kein Grund zum Einschläfern.

Die Entscheidung für einen alten Hund

Wer sich für die Anschaffung eines Hundes entscheidet, wünscht sich in der Regel einen jungen oder zumindest jüngeren Hund. Umso mehr ist der Entscheidung für einen alten Hund Respekt zu zollen. Nehmen Sie einen alten Hund bei sich auf, gelten zum Teil jene Hinweise für die Anschaffung eines erwachsenen Hundes und die hier erwähnten Veränderungen parallel.

Bevor Sie jedoch einen alten Hund bei sich aufnehmen, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass eventuell nicht nur hohe Tierarztkosten auf Sie zukommen, sondern Sie in diesem Fall vielleicht nur für sehr kurze Zeit einen Begleiter haben werden. Vielleicht geben Sie ihm sogar nur noch die Möglichkeit, seinen letzten Gang anzutreten.

Antje Plate

Antje Plate teilt ihr Leben seit etwas mehr als 40 Jahren mit Hunden, seit etwa 20 Jahren beschäftigt sie sich mit dem Lebewesen Hund tiefergehend. Über die Jahre knüpfte sie teilweise sehr enge Kontakte zu anderen Haltern, Züchtern verschiedenster Rassen, Tierärzten und Kynologen. Außerdem entwirft und fertigt sie maßgefertigte Hundegeschirre.