Was wird aus der betrieblichen Altersvorsorge, wenn man den Arbeitgeber wechselt? Ob Sie die Betriebsrente mitnehmen sollten, oder besser neu anlegen, erfahren Sie hier.

Es ist nur wenige Jahre her, dass der Wechsel des Arbeitgebers Ihnen in Bezug auf die Betriebsrente keine Wahl lieร. Nutzte der neue Chef ein anderes Versorgungswerk, konnten Sie Ihren Vertrag nur beitragsfrei stellen lassen oder aus eigener Tasche weiter bezahlen. Durch das Portabilitรคtsgesetz zur betrieblichen Altersvorsorge hat sich dies geรคndert. Arbeitnehmer haben das Recht, den bestehenden Vertrag auf den neuen Arbeitgeber zu รผbertragen. Dabei gilt es allerdings, einige Punkte zu berรผcksichtigen, um Verluste zu vermeiden.
รbertrag der Betriebsrente ist renditeschรคdlich
Einige Faktoren sprechen gegen den รbertrag eines bestehenden Vertrages in neues Versorgungswerk.
- Betrug der Garantiezins im Jahr 2003 noch 3,25 Prozent pro Jahr, ist er inzwischen auf fast die Hรคlfte, 1,75 Prozent pro Jahr gesunken. Bei einem รbertrag gilt dann der neue Garantiezins.
- Bleiben wir bei dem Jahr 2003, so sind heute neue Sterbetafeln gรผltig. Diese berรผcksichtigen eine hรถhere Lebenserwartung. Auf dieser Grundlage mussten die Versicherungsinstanzen die garantierten Renten fรผr Neuvertrรคge ebenfalls senken.
- Ab Ende 2012 gilt in Deutschland die Vorgabe der EU-Kommission, dass es keine geschlechtsspezifischen Tarife mehr geben darf. Die Konsequenz aus der Mischkalkulation ist im Vergleich zu den aktuell noch gรผltigen Tarifen, dass Mรคnner eine niedrigere Rente, Frauen dagegen mit einer hรถheren Garantierente rechnen kรถnnen.
- Altvertrรคge sind von diesen Neuerungen nicht betroffen.
Die Auswirkungen im Rechenbeispiel
Laut der Deutschen Gesellschaft fรผr betriebliche Altersversorgung (DGbAV) hat eine Portierung gravierende Folgen. Das Beispiel der Versicherungsmathematiker*innen basiert auf einem Vertrag aus dem Jahr 2003, in dem ein Arbeitnehmer im Alter von 30 Jahren monatlich 200 Euro in eine Betriebsrente anlegt. Die garantierte Monatsrente betrug in diesem Fall 710 Euro monatlich. Im Fall einer Portierung im Jahr 2012 wรผrde sich die Garantierente auf 365 Euro im Monat reduzieren, fast eine Halbierung. Die Einzahlungen bleiben รผber den gesamten Zeitraum gleich. Wรผrde der รbertrag im Rahmen eines Unisex-Tarifes vorgenommen, sinkt die monatliche Garantierente laut Angaben des DGbAV unter die Marke von 350 Euro monatlich.
Folgende Alternativen bieten sich an
- Wenn Sie Ihren bestehenden Vertrag nicht auf den neuen Arbeitgeber รผbertrage kรถnnen, weil dieser nur mit einem bestimmten Versicherer kooperiert, stellen Sie den Vertrag bis zu Beginn des Rentenalters beitragsfrei und zeichnen Sie eine neue Firmenrente.
- In der Gesamtbetrachtung erreichen Sie damit bei Eintritt des Rentenalters zumindest eine Mischkalkulation mit den besseren Konditionen aus dem Altvertrag.
- Alternativ bietet die DGbAV den Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Mรถglichkeit, รผber ihre Clearingstelle Altvertrรคge fรผr den Arbeitgeber zu verwalten und so den Verwaltungsaufwand ebenfalls zu reduzieren.
Bruttoentgeltumwandlung ist unseriรถs
Eine Altersvorsorge, wie bei der betriebliche Altersvorsorge im Wege der sog. Bruttoentgeltumwandlung, mit der man gleichzeitig seine gesetzliche Altersrente reduziert, ist an sich schon von vornherein unseriรถs.
Das sieht man auch daran:
Bei der Betriebsrente zahlt man bei Auszahlung einmal volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrรคge (ungef. 19 %), bei der gesetzlichen Altersrente nur etwa die Hรคlfte an diesen Kranken- und Pflegeversicherngsbeitrรคgen.
Ich rate von der Betriebsrente ab, falls der Arbeitgeber dir diese nicht รผberwiegend finanziert.
Warum? Nicht nur wegen der Probleme, die oft bei der รbertragung auf einen neuen Arbeitgeber auftauchen, sondern auch wegend der Gefahr, daร der Gesetzgeber wieder einmal unverrichteter Dinge mit Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrรคgen abkassiert.
Der Betriebsrentner gilt fรผr Politiker als vermรถgend, bei dem im Bedarfsfalle schon mal was zu holen ist.
Altersvorsorge ist langfristig und braucht Vertrauen. Politiker, bei denen man befรผrchten muร, daร diese im Bedarfsfalle wieder zugreifen, bieten keine Vertrauensbasis.