Tagesgeldkonto im Ausland eröffnen – Pro und Kontra

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Ein Tagesgeldkonto im Ausland eröffnen – lohnt sich das denn wirklich? Wir haben hier Pro und Kontra zu diesem Thema gegenüber gestellt.

Sie müssen einige Regeln beachten

Sie müssen einige Regeln beachten

Banken richtig unterscheiden

Seit geraumer Zeit treten verstärkt ausländische Banken bei den Tagesgeldvergleichen im Internet auf, die mit außerordentlich hohen Zinsen locken. Zu unterscheiden sind dabei deutsche Tagesgeldkonten, die von einer ausländischen Bank angeboten werden, und ausländische Tagesgeldkonten von Banken mit Sitz im Ausland.

Im Grunde spricht grundsätzlich nichts dagegen, als Anleger in ein Tagesgeldkonto im Ausland zu investieren, solange Sie dabei einige grundsätzliche Regeln beachten.

Die Vorteile von Tagesgeldkonten im Ausland

Zunächst bieten Tagesgeldkonten im Ausland die gleichen Vorteile wie auch inländische Konten:

  • hohe Flexibilität dank täglicher Verfügbarkeit des Guthabens
  • überdurchschnittliche Rendite im Vergleich zu einem Girokonto
  • keine Transaktionsgebühren
  • kaum Risiko im Vergleich zu spekulativen Geldanlagen
  • keine Kündigungsfristen, d.h. ein Kontenwechsel ist jederzeit möglich

Höhere Zinssätze im Ausland

Banken mit Sitz im europäischen Ausland werben auffällig häufig mit überdurchschnittlichen Zinssätzen. Die Ursache hierfür wird unter Experten kontrovers diskutiert. Einer der Gründe könnte das geringere Vertrauen in ausländische Banken und ihre Einlagensicherung sein, sodass diese Kunden mit attraktiveren Zinssätzen locken müssen.

Einlagensicherung auch im Ausland

Die Wichtigste für die Sicherheit einer Bank ist die Zugehörigkeit zu einem Sicherungsfonds. Je nach Sicherungsfonds ist das Geld des Anlegers damit im Falle einer Bankeninsolvenz bis zu einer bestimmten Summe geschützt. In Deutschland wird diese Sicherung durch eine gesetzliche Einlagensicherung übernommen, die für viele EU-Staaten Gültigkeit hat. Demnach sollten Sie bei der Wahl der Bank auf eine Einlagensicherung und deren Höhe achten. Vor allem Banken mit einer Niederlassung in Deutschland haben die Möglichkeit, dem deutschen Einlagensicherungsfonds beizutreten.

Die Nachteile ausländischer Anbieter

Grundsätzlich haben auch Banken im Ausland kein Geld zu verschenken. Dementsprechend sollten Sie sich nicht von den Zinssätzen blenden lassen, sondern sich vor allem auch der Risiken bewusst sein, die mit einer Geldanlage im Ausland einhergehen.

Sicherheit

Während inländische Banken neben der gesetzlichen Einlagensicherung meist zusätzlich durch eine Mitgliedschaft im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken abgesichert sind, entfällt diese doppelte Sicherung im Ausland. Innerhalb der EU sind die Einlagen damit in vielen Ländern nur bis zu einer Höhe von 100.000 Euro versichert, in anderen Ländern lediglich bis zu 20.000 Euro.

» Sichere Länder:

Da bei Banken außerhalb Europas normalerweise die jeweiligen nationalen gesetzlichen Regelungen greifen, ist auch die Vertrauenswürdigkeit des jeweiligen Bankensystems nicht zu vernachlässigen. Die Stiftung Warentest hält insbesondere die Einlagensicherungssysteme Frankreichs, Großbritanniens, der Niederlande und Österreichs für sicher.

» Unsichere Länder:

In anderen Ländern kann die Situation für Anleger ausgesprochen problematisch werden, wenn es um den Rechtsanspruch auf eine Einlage bei einem Tagesgeldkonto im Ausland geht. Derzeit gelten z.B. auch Länder wie England, Irland, Island sowie die USA als wirtschaftlich unsichere Partner.

Sie sollten sich bei einem Tagesgeldkonto im Ausland oder bei einer ausländischen Bank in jedem Fall über die Einlagensicherung des jeweiligen Instituts informieren und die Grenzen der Absicherung sowie die Vertrauenswürdigkeit des nationalen Bankensystems beachten.

Verwaltungsaufwand

Verschiedene Abläufe können bei einer ausländischen Bank durchaus anders gestaltet sein als bei einer inländischen. Während die Kontoführung bei Direktbanken in der Regel kein Problem darstellt, unterscheiden sich möglicherweise die Sicherheitsstandards. So ist beispielsweise die Identifikation des Kontoinhabers über das PostIdent-Verfahren im Ausland nicht üblich, teilweise werden Kundendaten unverschlüsselt gesendet. Nicht zuletzt können zudem Sprachbarrieren beim Telefon-Banking auftreten.

Steuerliche Fragen

Das Tagesgeldkonto im Ausland bietet auch in steuerlicher Hinsicht einige Besonderheiten. Während deutsche Banken nach Überschreiten des Sparer-Freibetrages die Abgeltungssteuer direkt an das Finanzamt abführen, ist dies bei ausländischen Banken nur dort gewährleistet, wo bilaterale Abkommen (z.B. mit der Schweiz oder Banken in Luxemburg) dies regeln. Doch selbst dann müssen Sie die steuerlichen Einnahmen in der Steuererklärung angeben und werden im Ausland meist mit einer Quellensteuer konfrontiert, die vom Zinsertrag einbehalten wird.

Hierzu verhindern außerhalb der EU Doppelbesteuerungsabkommen mit insgesamt 88 Staaten eine zweifache Besteuerung der Gewinne im Quellenland und in Deutschland. In anderen Ländern sind Sie als Anleger nicht sicher vor der Schmälerung der Renditen durch zweifache Steuerzahlungen. Ein Unterlassen der Meldung steuerlicher Erträge ist gleichzusetzen mit Hinterziehung von Steuern.

Im deutschen Einkommensteuerrecht gilt für Inländer das Wohnsitzlandprinzip und Welteinkommensprinzip und für Ausländer das Quellenlandprinzip und Territorialitätsprinzip. Damit sich die unterschiedlichen Prinzipien nicht überschneiden, können Einkommen angerechnet oder freigestellt werden.

Fremdwährung

Viele Anleger beschränken sich bei der Wahl des Tagesgeldkontos auf das EU-Ausland, sodass keinerlei Risiken durch Fremdwährungen entstehen. Dieses ist jedoch bereits bei einer Kontoeröffnung in der Schweiz gegeben, sofern das Konto nicht in Euro geführt wird. Dementsprechend werden zunächst Euro in die Fremdwährung getauscht. Steigt während der Anlagedauer der Kurs des Euro gegenüber dem Devisenkurs, erzielen Sie beim Verfügen der Anlagesumme einen Währungsverlust und erhalten nun weniger Euro zurück.

Steigt hingegen der Kurs der Fremdwährung gegenüber dem Euro, können natürlich auch Währungsgewinne erzielt werden. Diese potenziellen Kurswechsel nutzen einige Anleger gezielt zur Steigerung der Renditen, wenngleich dies eine äußerst spekulative Form der Geldanlage darstellt. So bringen Tagesgeld in Neuseeland-Dollar und in ungarischen Forint ca. sieben Prozent Zins, in Südafrika-Rand über zehn und in türkischen Lira über 13 Prozent, zumal auch die Zinssätze in den Ländern überdurchschnittlich hoch sind.

Vorsicht bei Zweigniederlassungen

Um in den deutschen Markt einzutreten, haben ausländische Banken zwei Möglichkeiten. Über 200 Banken haben Tochtergesellschaften in Deutschland gegründet, wohingegen sich andere Banken lediglich mit einer Zweigniederlassung ansiedeln. Während die Tochtergesellschaften eine Banklizenz erhalten und ähnlich einer deutschen Bank Mitglied in einem Einlagensicherungsfonds werden können, ist bei Niederlassungen die Zuständigkeit der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) nur in geringem Umfang gewährleistet.

Die Kontrolle der Geschäftsorganisation, des Risikomanagements und die Einschätzung der Risikolage obliegt dabei der Aufsichtsbehörde des Heimatlandes, wohingegen die Bafin lediglich die Liquidität überwacht. Im Falle einer Insolvenz ist es wesentlich schwieriger, im Ausland an das Geld zu kommen – man denke an die isländische Bank Kaupthing oder eben die Lehman Bank, bei deren Insolvenz die deutschen Kunden abgesichert waren.

Besonderheit von Tagesgeldkonten in der Schweiz

Das Tagesgeldkonto in der Schweiz unterliegt in Deutschland einem Mythos, ist in der Praxis jedoch meist für kleine und mittlere Anleger eher uninteressant. Wenngleich viele Konten auch in Euro geführt werden können, sodass keinerlei Umtauschgebühren entstehen, sind die Zinsen in der Schweiz generell meist niedriger als in Deutschland. Dies ist in der Sicherheit der Schweiz als sehr sicherem Anlageland begründet, weshalb das Tagesgeldkonto dort relativ begehrt ist und Banken auch ohne Lockangebote zahlreiche Kunden anwerben.

Darüber hinaus sind teilweise Mindesteinlagen von mehreren Zehntausend Euro erforderlich, um ein Konto zu eröffnen. Als positiv ist hingegen zu erwähnen, dass Schweizer Konten vom deutschen Finanzamt nicht eingesehen werden können, wobei zwar die Steuern auf Kapitalerträge seitens der Bank abgezogen werden, das deutsche Finanzamt jedoch nicht weiß, wie hoch das Gesamtvermögen in der Schweiz ist.

Fazit

Bei geringen Anlagesummen, die durch die Einlagensicherung der europäischen Banken abgedeckt sind, empfiehlt sich die Berücksichtigung ausländischer Banken bei einem Vergleich. Bei hohen Summen bergen diese jedoch aufgrund der fehlenden Deckungssummen erhebliche Risiken. Denn während Tagesgeldkonten in Deutschland nahezu unbegrenzt abgesichert sind, bieten die ausländischen Tagesgeldkonten lediglich einen minimalen Schutz.

Weiterhin gestalten sich auch die Durchsetzung des Rechtsanspruchs sowie die Steuerpflicht als problematisch. Selbst wenn bei einer ausländischen Bank die Zinsen doppelt so hoch sind, sollten Sie Kosten, Risiko und den tatsächlichen Nutzen vorher exakt abwägen. Dementsprechend sollten Sie immer, bevor Sie sich für das Anlegen im Ausland entscheidet, das Angebot deutscher Banken und Versicherungen prüfen.

Foto1: © Les Cunliffe - Fotolia.com

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