Jeder kommt mal in die Situation, in der er die Erste-Hilfe-Maßnahmen kennen und anwenden muss. Welche das sind und wie sie angewendet werden müssen, lesen Sie hier.

Erste Hilfe rettet Leben, das ist klar. Das aber nur dann, wenn man die Erste-Hilfe-Maßnahmen auch wirklich kennt und richtig anwenden kann. Spätestens, wenn man seinen Führerschein machen möchte, muss man dafür einen Erste-Hilfe-Kurs belegen. Das war es dann aber auch schon. Viele vergessen im Laufe der Jahre einfach, was in einer Notsituation zu tun ist.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Alle 2–3 Jahre einen Auffrischungskurs besuchen
- 2 Erste Hilfe Maßnahmen – Diese sollten Sie kennen
- 2.1 Eigensicherung
- 2.2 Überblick verschaffen/Notruf alarmieren
- 2.3 Bewusstlos, aber Atmung vorhanden: Stabile Seitenlage
- 2.4 Atmung nicht vorhanden: Herz-Lungen-Wiederbelebung
- 2.5 Blass, zittern und verwirrt: Schockbekämpfung
- 2.6 Wunden und Blutungen versorgen
- 2.7 Erste Hilfe bei Verbrennungen
- 2.8 Vergiftung und Hilfe bei Erbrechen
- 3 Fazit: Erste Hilfe rettet Leben
Alle 2–3 Jahre einen Auffrischungskurs besuchen
Es ist ratsam, alle 2–3 Jahre einen Auffrischungskurs zu besuchen, allein schon deshalb, weil es im Bereich der Wiederbelebungsmaßnahmen stets neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Für diejenigen, die es einfach nicht schaffen, einen Auffrischungskurs zu besuchen, haben wir hier die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen notiert.
Im betrieblichen Bereich ist laut Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) vorgeschrieben, dass Ersthelfer im Betrieb in der Regel alle 2 Jahre eine Fortbildung haben.
Quelle: BGHM
Erste Hilfe Maßnahmen – Diese sollten Sie kennen
Wichtig: Damit Sie jederzeit sicher mit dem Auto unterwegs sind und Erste Hilfe leisten können, müssen Sie einen Verbandskasten im Auto mitführen. Das ist Pflicht! Sie müssen auch immer darauf achten, dass das Haltbarkeitsdatum der Verbandsmaterialien nicht abgelaufen ist.
Eigensicherung
Zu den ersten Maßnahmen bei einem Notfall gehört immer die eigene Sicherheit. Nur wenn diese gewährleistet ist, lassen sich weitere Schritte gefahrlos durchführen.
Schalten Sie daher die Warnblinkanlage Ihres Fahrzeugs ein, ziehen Sie die Warnweste an und stellen Sie ein Warndreieck auf. Unabhängig davon, ob Sie selbst in den Unfall verwickelt sind oder an die Unfallstelle hinzukommen.
Befinden Sie sich mit einer weiteren Person im Auto, kann eine Person die Absicherung übernehmen, während die andere sich bereits um mögliche Verletzte kümmert.
Überblick verschaffen/Notruf alarmieren
Als Nächstes verschaffen Sie sich einen Überblick über die Situation und alarmieren den Notruf (Notrufnummer 112). Halten Sie für den Anruf folgende Informationen bereit:
- Wo hat sich der Unfall ereignet?
- Was genau ist passiert?
- Wie viele Personen sind verletzt/ erkrankt?
- Welche Verletzungen/ Erkrankungen liegen vor?
- Wer meldet den Unfall?
➡️ Wichtig: Legen Sie anschließend nicht gleich auf und geben Sie Ihre Telefonnummer für eventuelle Rückfragen durch.
Bewusstlos, aber Atmung vorhanden: Stabile Seitenlage

Bevor Sie eine Person in die stabile Seitenlage bringen, prüfen Sie immer zuerst Bewusstsein und Atmung. Sprechen Sie den Verletzten an und berühren Sie vorsichtig die Schultern. Ist die Person bewusstlos und atmet, dann können Sie mit der stabilen Seitenlage beginnen. Atmet die Person nicht, beginnen Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung, wie im nächsten Punkt beschrieben.
➡️ Wichtig: Bei einem bewusstlosen Motorradfahrer muss der Helm abgenommen werden, damit eine sichere Lagerung – wie die stabile Seitenlage – überhaupt möglich ist (Anleitung vom DRK).
» Schritt 1: Knieen Sie sich seitlich neben die Person. Legen Sie den Arm, der Ihnen am nächsten ist, gerade nach oben, die Handfläche zeigt nach oben.
» Schritt 2: Nehmen Sie den gegenüberliegenden Arm, führen Sie ihn über die Brust und legen Sie den Handrücken sanft an die Wange der Person – auf Ihrer Seite.
» Schritt 3: Greifen Sie nun an den entfernten Oberschenkel und winkeln Sie das Bein an.
» Schritt 4: Greifen Sie anschließend mit der anderen Hand an die Schulter und rollen Sie den Verletzten auf die Seite. Also zu sich ziehen.
» Schritt 5: Überstrecken Sie anschließend den Kopf des Verletzten, um die Atemwege freizuhalten. Öffnen Sie auch den Mund ein wenig.
» Schritt 6: Unfallopfer kühlen schnell aus. Halten Sie den Betroffenen also warm, am besten mit einer Rettungsdecke, einer Jacke usw.
Video-Anleitung: Stabile Seitenlage
Tipps zur stabilen Seitenlage gibt es auch in diesem Video:
Atmung nicht vorhanden: Herz-Lungen-Wiederbelebung
Wenn der Verletzte nicht mehr ansprechbar ist, dann sollten Sie überprüfen, ob dieser atmet. Wenn nicht, dann müssen Sie schnellstmöglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Diese Wiederbelebungsmaßnahmen bestehen aus 30 Mal Herzdruckmassage und 2 Mal Atemspende. Hier jeweils eine Anleitung zur Herzdruckmassage und zur Atemspende.
➡️ So prüfen Sie die Atmung:
Legen Sie eine Hand auf die Stirn und neigen Sie den Kopf der Person leicht nach hinten. Beugen Sie sich dann über Mund und Nase.
- Sehen: Beobachten Sie den Brustkorb – hebt und senkt er sich?
- Hören: Achten Sie darauf, ob Atemgeräusche zu hören sind.
- Fühlen: Spüren Sie an Ihrer Wange, ob warme Atemluft austritt.
Schritt 1: Position vorbereiten
Der Betroffene liegt flach auf dem Rücken, am besten auf einer harten und stabilen Unterlage. Nur so kann die Herzdruckmassage durchgeführt werden.
Schritt 2: Hände richtig aufsetzen
Legen Sie den Handballen einer Hand auf die Mitte des Brustkorbs, direkt auf das Brustbein. Die zweite Hand auf die erstelegen. Die Finger bleiben verschränkt oder angehoben, damit kein Druck auf die Rippen gelangt.
Schritt 3: Herzdruckmassage durchführen
Drücken Sie den Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter tief und halten Sie ein Tempo von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Nutzen Sie Ihr Körpergewicht und bleiben Sie rhythmisch, ohne Pausen.
Schritt 4: Beatmung (falls erlernt)
Wenn Sie in Mund-zu-Mund-Beatmung geschult sind, führen Sie sie im Verhältnis 30 Herzdruckmassagen zu 2 Beatmungen durch.
Wenn nicht, konzentrieren Sie sich ausschließlich auf die Herzdruckmassage. Das ist ausdrücklich empfohlen und trotzdem wirksam.
➡️ Tipp: Der Song „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees hat den idealen Rhythmus für die Herzdruckmassage. Mit gut 100 Taktschlägen pro Minute hilft er dabei, das richtige Tempo zu halten.
Blass, zittern und verwirrt: Schockbekämpfung
Ein Schock kann lebensgefährlich sein, da die wichtigen Organe nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt werden. Deshalb ist schnelle Hilfe wichtig.
Betroffene wirken oft sehr blass, frieren oder zittern, reagieren verwirrt oder nur noch verzögert. Manche hören noch zu, andere nehmen kaum etwas wahr oder wirken ganz abwesend. Wenn diese Anzeichen auftreten, hilft es, ruhig zu bleiben und Sicherheit zu geben.
Schritt 1: Beruhigend sprechen
Setzen Sie sich ruhig neben den Betroffenen, sprechen Sie langsam und freundlich. Allein Ihre Präsenz hilft, die Panik etwas zu senken.
Schritt 2: Schocklagerung
Wenn die Person bei Bewusstsein ist, hilft die sogenannte Schocklagerung. Legen Sie die Person flach auf den Rücken und heben Sie die Beine leicht an, indem Sie etwas Weiches unter die Unterschenkel schieben – etwa eine zusammengerollte Decke. Die Beine sollten etwa 20 bis 30 Zentimeter höher liegen als der Oberkörper. Diese leichte Erhöhung verbessert den Blutfluss zu Herz und Gehirn und stabilisiert den Kreislauf.
Schritt 3: Wärmen
Schockpatienten kühlen schnell aus. Eine Jacke oder Decke hilft.
Schritt 4: Wir die Person bewusstlos
Stabile Seitenlage, damit die Atemwege frei bleiben.
➡️ Wichtig: Bleiben Sie immer bei der betroffenen Person. Menschen im Schock können verwirrt sein und plötzlich weggehen oder weglaufen. Gleichzeitig sollten Sie die Atmung im Blick behalten. Setzt sie aus, beginnen Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
Wunden und Blutungen versorgen

Bevor Sie irgendwelche Wunden und Blutungen versorgen, sollten Sie sich immer erst einmal Schutzhandschuhe anziehen, dann kann es losgehen.
» Schritt 1: Legen Sie zuerst eine sterile Wundauflage/Kompresse auf die Wunde und umwickeln Sie diese dreimal mit einem Verband (bei leichteren Verletzungen mehrmals umwickeln).
» Schritt 2: Bei einer stark blutenden Wunde sollten Sie die Blutung mit einem Druckgegenstand stillen. Dazu einfach ein Verbandspäckchen auf die Wunde auflegen und mit dem restlichen Verband umwickeln.
» Schritt 3: Anschließend den Druckgegenstand mit einem Knoten fixieren.
Erste Hilfe bei Verbrennungen
Bei Hitzeverletzungen helfen ein paar einfache Grundschritte, die Sie sich gut merken können.
» Schritt 1: Wenn Kleidungsstücke brennen, dann diese sofort mit Wasser übergießen oder aber die Flammen mit einer Decke ersticken. Wenn Sie nichts zur Hand haben, dann sollten Sie den Betroffenen am besten auf dem Boden wälzen. Brennende Personen lieber nicht mit einem Feuerlöscher löschen und schon gar nicht das Gesicht, denn die meisten Feuerlöscher sind nicht für die Anwendung am Menschen bestimmt.
» Schritt 2: Sofern die Kleidungsstücke nicht an der Haut haften, sollten Sie diese entfernen und die Wunde anschließend etwa 10 bis 20 Minuten mit Wasser kühlen. Im Gesicht eignen sich feuchte Tücher, solange die Atemwege frei bleiben.
» Schritt 3: Danach die Brandwunde mit einer sterilen Kompresse locker bedecken.
» Schritt 4: Während die Verletzung gekühlt wird, kühlt der restliche Körper schnell aus. Deswegen Verbrennungsopfer warmhalten.
Tiefe Brandwunden
Kommt es durch Flammen oder glühende Teile zu einer tieferen Brandwunde, sieht die Haut oft weißlich, lederartig oder schwarz aus und manchmal spürt der Betroffene kaum Schmerzen.
➡️ In diesem Fall
• Nicht intensiv kühlen, da die Wunde meist offen ist.
• Die Stelle großflächig und sauber abdecken.
• Sofort den Rettungsdienst rufen.
Vergiftung und Hilfe bei Erbrechen
Vergiftungen kommen leider noch immer häufig vor. Ein Kind hat eine giftige Pflanze gegessen oder ein Erwachsener ein Medikament verwechselt. Erste Anzeichen sind häufig Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. In dieser Situation ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die Lage aufmerksam einzuschätzen.
Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, zählt jeder Moment:
- zuerst den Notruf wählen
- anschließend die Giftnotrufzentrale kontaktieren und den Anweisungen folgen
- dort erhalten Sie rund um die Uhr sichere, situationsgerechte Hinweise
Gleichzeitig muss verhindert werden, dass die betroffene Person am Erbrochenen erstickt. Deshalb ist die richtige Lagerung während des Erbrechens genauso wichtig wie der schnelle Notruf.
➡️ Beim Liegenden
Den Kopf zur Seite drehen und ein Gefäß vor den Mund halten. So wird verhindert, dass Erbrochenes eingeatmet wird.
➡️ Beim Sitzenden
Kopf nach vorn beugen, die Stirn mit einer Hand stützen und ein Gefäß dicht unter den Mund halten.
Hier die wichtigsten Maßnahmen bei Verdacht auf eine Vergiftung:
» Kindergesundheit-Info.de – Infoblatt für Vergiftungsunfälle
Wichtige Giftnotrufzentralen in Deutschland (Stand 2021)
| Standort | Giftnotruf / Zentrum | Telefonnummer |
|---|---|---|
| Berlin | Giftnotruf der Charité Berlin & Brandenburg | 030 – 19 240 |
| Bonn | Informationszentrale gegen Vergiftungen NRW | 0228 – 19 240 |
| Erfurt | Gemeinsames Giftinformationszentrum (GGIZ) | 0361 – 730 730 |
| Freiburg | Vergiftungs-Informations-Zentrale (VIZ) Freiburg | 0761 – 19 240 |
| Göttingen | Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) | 0551 – 19 240 |
| Mainz | Giftinformationszentrum Rheinland-Pfalz, Hessen & Saarland | 06131 – 19 240 |
| München | Giftnotruf München | 089 – 19 240 |
Fazit: Erste Hilfe rettet Leben
Ich hoffe, wir konnten Ihnen auf diesem Wege die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen wieder ins Gedächtnis rufen und auffrischen. Grundsätzlich sollten Sie sich jedoch eines merken: Rufen Sie in einer Notsituation immer einen Krankenwagen! In vielen Situationen wie z. B. bei Verbrennungen, Wunden/Blutungen, Vergiftungen usw. kann es nämlich zusätzlich zu einem Schock kommen, der lebensbedrohlich sein kann.


