Mobbing bei Kindern – 10 Tipps wie Sie Ihrem Kind helfen

Mobbing unter Kindern ist heutzutage leider kein Einzelfall mehr. Hier 10 Tipps wie Sie Ihrem Kind helfen können, wenn es von Mobbing betroffen ist.

Kinder Schule Mobbing Tipps
Mobbing ist immer häufiger auch unter Kindern anzutreffen © pololia/ stock.adobe.com

Mobbing am Arbeitsplatz beziehungsweise unter Kollegen ist im Bewusstsein vieler Menschen bereits fest verankert. Mobbing unter Kindern hingegen wird noch längst nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie es aber nötig wäre. Ist das Problem doch bereits in vielen Schulen alltäglich und macht dementsprechend vielen Schulkindern zu schaffen.

Eine Dokumentation des Fachbereichs Gesundheit, Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestags zeigte im Rahmen der PISA-Studie auf, dass bereits im Jahr 2015 “im Durchschnitt in Deutschland 16 Prozent [der Schüler] von Mobbing-Vorfällen betroffen” waren. (Quelle)

Was ist Mobbing?

Mobbing umfasst alle Handlungen, die zielgerichtet und systematisch über einen längeren Zeitraum hinweg ausgeführt werden, um anderen psychisch oder physisch zu schaden.

Mobbing bedeutet unter anderem:

  • Abfällige Blicke, Tuscheleien
  • Beleidigungen, verbale Angriffe
  • Bewusstes Ausgrenzen einzelner Menschen
  • Eigentum anderer stehlen und/oder zerstören
  • Schlagen, Schubsen, Treten

Vom Mobbing abzugrenzen sind Streitereien und Rangeleien unter Kindern und Jugendlichen, die jeweils aus einer aktuellen Situation heraus entstehen können. Sie sind meist einmalige Vorfälle und werden nicht systematisch gegen einen anderen angewandt.

Kinder schweigen oftmals darüber

Oft wird Mobbing erst spät entdeckt, weil sich die betroffenen Kinder schämen und nicht als Petzen dastehen wollen. Hinzu kommt die Angst davor, die eigene Situation zu verschlimmern, wenn man sich Erwachsenen anvertraut. In solchen Fällen geht Mobbing oft mit entsprechenden Drohungen des Mobbenden einher.

Selbst wenn Mobbing erkannt wird, ist guter Rat teuer. Wie geht man mit der Situation um und wie räumt man die Schwierigkeiten aus dem Weg? Die folgenden Tipps sollen Ihnen bei der Konfliktlösung helfen.

Mobbing bei Kindern – 10 Tipps, wie Sie Ihrem Kind helfen

Tipp 1: Mobbing erkennen

Oftmals gehen Mobbing-Erfahrungen mit einer Persönlichkeitsveränderung des Opfers einher. Folgende Anzeichen können auf ein Mobbing-Problem hindeuten:

  • Kinder sind plötzlich introvertiert und eingeschüchtert oder
  • Kinder neigen zu plötzlichen Aggressionen oder
  • Es treten unerklärliche Stimmungsschwankungen auf
  • Schulbesuch wird vermieden
  • Konzentrations- und Leistungsfähigkeit lassen stark nach
  • Körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Essstörungen oder Appetitlosigkeit

Kommt Ihr Kind öfters mit zerrissener Kleidung nach Hause, hat es unerklärliche Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen oder fehlen immer wieder Lernmaterialien kann dies ebenfalls auf Mobbing hindeuten.

Tipp 2: Gespräch mit dem Kind

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind gemobbt wird, sollten Sie unbedingt das Gespräch mit ihm suchen. Rechnen Sie damit, dass es die Situation aus Angst oder Scham zunächst leugnet oder herunterspielt.

Mobbing Eltern Gespräch Kind
Bei Verdacht auf Mobbing suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Kind © fizkes/ stock. adobe.com

Diese Gefühle sollten Sie akzeptieren und Ihr Kind nicht unter Druck setzen. Geben Sie ihm das Gefühl, dass Sie es ernst nehmen und voll und ganz hinter ihm stehen. Betonen Sie ihm gegenüber auch, dass es jederzeit mit Ihnen reden kann und Sie dann gemeinsam eine Lösung finden.

Tipp 3: Was ist genau passiert?

Wenn sich Ihr Kind Ihnen anvertraut, zum Beispiel in einer Familienkonferenz, sollten Sie versuchen, möglichst viele Informationen über die Geschehnisse zu erhalten.

  • Wo findet das Mobbing statt?
  • Wer ist beteiligt?
  • Wann haben die Schikanen angefangen?

Helfen Sie Ihrem Kind dabei, seine Gefühle und Gedanken zu reflektieren und auch über sein eigenes Verhalten nachzudenken. Das alles ist wichtig für die Findung einer praktikablen Lösung.

Tipp 4: Nicht über den Kopf des Kindes hinweg entscheiden

Sie sollten auf keinen Fall die Wünsche Ihres Kindes außer Acht lassen und gegen seinen Willen bestimmte Maßnahmen treffen. Diskutieren Sie alle Optionen in Ruhe mit Ihrem Kind. Überlegen Sie, was Ihr Kind selbst tun kann und ob ein Eingreifen Ihrerseits notwendig ist.


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Tipp 5: Kein Gespräch mit den Eltern des Mobbing-Täters

Wenn Sie die Entscheidung treffen, dass Ihrerseits Handlungsbedarf besteht, sollten Sie mit Bedacht vorgehen. Keinesfalls sollten Sie sich den Täter oder die Täterin selbst vorknöpfen oder direkt mit den Eltern sprechen. Einerseits könnte dies noch mehr Schikane für Ihr Kind bedeuten, andererseits hat Mobbing-Verhalten nicht selten seine Wurzel im familiären Umfeld, sodass ein Gespräch mit den Eltern oft fruchtlos ist.

Tipp 6: Lehrer um Hilfe bitten

Sollte das Mobbing in der Schule stattfinden, dann ziehen Sie den Klassenlehrer oder Lieblingslehrer Ihres Kindes ins Vertrauen. Womöglich ist ihm selbst schon etwas aufgefallen, vielleicht tappt er aber auch noch völlig im Dunkeln, was die Situation angeht.

Ideal wäre im Anschluss ein Gespräch unter vier Augen zwischen Lehrer und Mobbing-Täter. Dieses Gespräch sollte frei von Emotionen und rational geführt werden. Auch der Täter sollte die Gelegenheit bekommen, sich zur Situation zu äußern, über sein Verhalten nachzudenken und selbst Vorschläge zu machen, wie man die gegenwärtige Situation verbessern kann.

Tipp 7: Selbstvertrauen stärken

Es ist für Mobbing-Opfer extrem wichtig, dass sie ihr Selbstvertrauen wiedergewinnen. Geben Sie Ihrem Kind das Gefühl, nicht allein zu sein. Machen Sie ihm bewusst, dass niemand das Recht hat, andere zu mobben und anzugreifen. Vielleicht können Sie bei Ihrem Kind Verständnis dafür wecken, dass Mobber meist eigene gravierende Probleme haben, mit denen sie nicht zurechtkommen oder es schlichtweg nicht besser wissen. Bedenken Sie aber: Opferschutz geht vor Täterschutz und stärken Sie zuallererst Ihr Kind.

Kind Mobbing Selbstbewusstsein Stärke
Starke und selbstbewusste Kinder werden seltener Mobbing-Opfer © Brian Jackson/ stock.adobe.com

Seien Sie auch bereit, über eigene Verhaltensmuster nachzudenken. Haben Sie Ihr Kind in der Vergangenheit vielleicht sehr verwöhnt oder selbstsicheres und starkes Auftreten unterbunden? Überlegen Sie auf jeden Fall, was Sie in Zukunft in dieser Hinsicht tun können, um Ihrem Kind zu helfen.

Tipp 8: Soziale Bindungen stärken

Wenn ein Kind über starke soziale Bindungen verfügt, treffen es Mobbing-Attacken weniger hart, als wenn es völlig allein und ohne Freunde dasteht. Schon ein guter Freund oder eine gute Freundin können einen riesigen Unterschied ausmachen. Unterstützen Sie freundschaftliche Beziehungen zwischen Ihrem Sprössling und anderen Kindern.

Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, ob es einem Verein beitreten möchte, beispielsweise einem Chor oder einem Sportverein. Findet das Mobbing in der Schule statt, tut es Ihrem Kind gut, außerhalb der Schule Bestätigung zu finden, bis das Problem gelöst ist. Das ist auch eine besonders gute Idee für schüchterne Kinder.

Tipp 9: Angriffen begegnen

Ihr Kind kann selbst aktiv werden, um seine Situation zu verbessern. Beleidigungen und Hänseleien kann ihr Kind einerseits ignorieren oder andererseits mit ablenkenden Bemerkungen wie “Wie du meinst” oder “Wäre möglich” kommentieren, wodurch dem Täter idealerweise der Wind aus den Segeln genommen wird.

Auch das selbstbewusste Einnehmen eines deutlichen Standpunktes kann helfen. Wenn Ihr Kind den Täter mit einem klaren und deutlichen “Hör sofort damit auf!” in die Schranken weist und dann geht, hat Ihr Kind zumindest für den Moment einen wichtigen Teilsieg errungen.

Tipp 10: Hilfe annehmen

Leidet Ihr Kind oder gar die Familie sehr unter den Attacken, suchen Sie sich professionelle Hilfe. Es gibt Situationen, die man nur schwer allein bewältigen kann.

Sieht sich Ihr Kind einem körperlichen Angriff ausgesetzt, sollte es nicht zögern, einen Lehrer oder ältere Mitschüler um Hilfe zu bitten. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Hilfe suchen nichts mit Petzen zu tun hat. Die körperliche Unversehrtheit ist ein zu schützendes Gut.

Um die Folgen des Mobbing zu verarbeiten, können Sie Hilfe von Beratungsstellen oder Psychologen in Anspruch nehmen. Im Folgenden ein kleine Auswahl an Hilfsangeboten:

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