Hartz 4 und private Krankenversicherung – 5 Punkte die Sie wissen sollten

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Es ist selten, aber es kommt vor, dass Hartz 4 Bezieher in der privaten Krankenversicherung sind. Worauf Sie in diesem Fall achten müssen, erfahren Sie hier.

Hartz 4 und private Krankenversicherung - 5 Punkte die Sie wissen sollten


Viele Bürger, die gesetzlich krankenversichert sind,  fragen sich, wie das geht. Hartz 4 Bezieher, aber eine bessere Krankenversicherung als ein Arbeitnehmer – ist das gerecht? Es soll gleich zu Anfang klargestellt sein, dass kaum ein Bezieher der Grundsicherung diese aus freien Stücken bezieht. Ein Naserümpfen ist also nicht angesagt. Grund für diese Konstellation ist vielmehr das Sozialrecht in Deutschland. Es sieht zum einen vor, dass jeder Bürger der Bundesrepublik krankenversichert sein muss.

Auf der anderen Seite ist der Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung nur unter bestimmten Gesichtspunkten zulässig – der Bezug von Hartz IV zählt nicht dazu. Wie kann es aber kommen, dass ein Hartz 4 Bezieher privat krankenversichert ist? Dazu ein Beispiel: Ein Selbstständiger wechselt in die PKV, die Geschäftsidee funktioniert nicht, er muss Grundsicherung beantragen.

Gesetzesänderung seit 1. April 2012

Bis zu diesem Datum erhielten Bezieher der Grundsicherung lediglich einen Teilbetrag zur Krankenversicherung von der öffentlichen Hand erstattet. Dieser belief sich auf rund 131 Euro. Die Konsequenz war, dass viele entweder ihre Beiträge nicht mehr bezahlen konnten, oder dadurch jeglicher Existenzgrundlage beraubt waren. Das Bundessozialgericht sah darin jedoch eine Ungleichbehandlung zwischen privat und gesetzlich Versicherten, da die Letzteren den Krankenkassenbeitrag in voller Höhe erhalten haben. Für die Beitragserstattung zur privaten Krankenversicherung müssen Sie jedoch einige Auflagen erfüllen.

  • Erstattet wird der Beitrag für den Basistarif in der privaten Krankenversicherung. Nur wenn Sie in diesen Tarif wechseln, übernimmt das Jobcenter die komplette Beitragszahlung. Verbleiben Sie in einem höherwertigen Tarif, müssen Sie die Beiträge, die über den Basistarif hinausgehen, selbst übernehmen.
  • Die Krankenversicherung muss durch eine bestehende Police nachgewiesen werden.
  • Der übernommene Höchstsatz beträgt rund 300 Euro und wird durch die jeweilige Behörde direkt an das Versicherungsunternehmen überwiesen.
  • Wer mit Beginn der Hartz 4 Leistungen in keiner Krankenversicherung war, muss sich privat in einem Basistarif absichern.
  • Beitragsschulden, die in der Zeit zwischen dem 1. Januar 2009 und dem 31. Januar 2011 aufgrund von Hartz IV-Bezug entstanden sind, werden von den privaten Krankenversicherern erlassen, wenn der Nachweis erbracht wird, dass in dieser Zeit Grundsicherung bezogen wurde.
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2 Kommentare

  1. Andreas Jensen Juli 24, 2013 at 11:41 - Reply

    In den Jahren 2009/2010 befand ich mich im Hartz4-Bezug und es sind in dieser Zeit Beitragsschulden bei der privaten Krankenversicherung aufgelaufen, weil die Agentur für Arbeit sich zunächst weigerte, die Kosten für den Basistarif zu übernehmen. Diese Forderung gegen mich in Höhe von 2.500 € besteht noch. Nun lese ich im letzten Absatz des Artikels, dass diese Forderungen erlassen werden. Gibt es dazu evtl. eine nähere Information? Vielen Dank im voraus!

  2. Uwe Rabolt
    Uwe Rabolt August 8, 2013 at 10:27 - Reply

    Sehr geehrter Herr Jensen,
    es freut mich, wenn Ihnen mein Beitrag möglicherweise weiterhilft.
    Weitergehende Informationen zum Erlass geschuldeter Beiträge finden sich auf den einschlägigen Informationsportalen der Sozialversicherungsträger sowie in zahlreichen Online-Publikationen wöchentlich erscheinender Nachrichtenmagazine.
    Mit besen Grüßen
    Uwe Rabolt.

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