Tapeten sollten alle paar Jahre erneuert werden, weshalb gerade Neulinge auf diesem Gebiet eine Anleitung zum Tapezieren benötigen. Wie Sie Schritt für Schritt vorgehen müssen, lesen Sie hier.

Zugegeben, Tapezieren ist nicht eine der leichtesten Arbeiten, wenn es ums Handwerken geht. Viele lassen diese Arbeit deshalb von einem Fachmann verrichten. Wenn Sie aber nicht unbedingt zwei linke Hände in Bezug auf Handwerksgeschick haben, können Sie mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung das Tapezieren einfach selbst durchführen. Bevor Sie aber mit dem Tapezieren beginnen, sollten erst einmal einige Vorüberlegungen getroffen werden.
Inhaltsverzeichnis
Wahl der richtigen Tapete
Zuerst sollten Sie sich Gedanken über die Wahl der richtigen Tapete machen. In einem Baumarkt oder Fachhandel finden Sie meist ein großes Angebot vor, weshalb Sie schon im Vorfeld ungefähr wissen sollten, was Sie möchten. Da Sie wahrscheinlich nicht in einem Jahr schon wieder neu tapezieren wollen, sollten Sie die Tapete mit Bedacht wählen. Geben Sie lieber einen Cent mehr aus, als dass Sie sich im Nachhinein ärgern. Günstige Tapeten sind häufig sehr dünn, sodass sie nicht strapazierfähig sind und oftmals schon beim Tapezieren reißen. Gerade bei Kindern sollten Sie auf eine robuste und abwischbare Tapete Wert legen.
Folgende Auswahl haben Sie bei Tapeten:
- Rauhfaser
- Papiertapete
- Prägetapete
- Velourstapete
- Vliestapete
- Naturfasertapete
- Vinyltapete
- Textiltapete und
- noch einige andere Spezial-Ausführungen
Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn Sie sich für gemusterte Tapete entscheiden. Die Rollen sollten unbedingt alle aus einer Serie stammen.
» Tipp: Vergleichen Sie die Fertigungsnummer auf der Verpackung. Wenn eine Nummer nicht übereinstimmt, kann es zu leichten Farbabweichungen kommen, die das Endresultat beeinträchtigen könnten.
Die richtige Tapeten-Menge

Wenn Sie eine schöne und geeignete Tapete gefunden haben, müssen Sie nun die richtige Tapetenmenge berechnen.
- Messen Sie zuerst alle Wandflächen in der Länge aus. Die Fensterlaibung muss eingerechnet werden, Fenster und Türen dagegen nicht.
- Auch die Raumhöhe ist hier von Bedarf
- Teilen Sie jetzt die ermittelte Gesamtlänge durch die Breite einer Tapetenrolle. (Standardtapeten haben in der Regel eine Breite von 53 Zentimetern.)
- Das Ergebnis dieser Rechnung wird dann nur noch mit der Raumhöhe multipliziert, plus einschließlich 15 Prozent Verschnitt.
- Das Ergebnis entspricht der Gesamtlänge der benötigten Tapetenrollen.
Es gibt auch eine einfache Formel zur Berechnung des Bedarfes:
➡️ Raumumfang x Raumhöhe : 5 = der ungefähre Bedarf
➡️ Achtung: Fenster und Türen werden dabei nicht abgezogen.
» Tipp: Hier geht’s zum Tapetenrechner!
Vorbereitungen zum Tapezieren
Bevor Sie jetzt mit dem Tapezieren beginnen, sollten Sie sich alle Utensilien, die für das Tapezieren nötig sind, bereitlegen.
Materialien
- Zollstock
- Tapezierschere
- Kleisterbürste
- Tapeziertisch
- Eimer aus Kunststoff
- Bleistift
- Lot
- Wasserwaage
- Tapezierwalze
- Tapezierbürste
- Schere
- Messer und
- Nahtroller
Auswahl des richtigen Kleisters
Die Auswahl des richtigen Kleisters hängt von der jeweiligen Tapete ab. Auf der Verpackung des Kleisters ist aber meist angegeben, für welche Tapeten sich dieser eignet.
Untergrund vorbereiten
Jetzt muss der Untergrund optimal vorbereitet werden, damit die Tapete später auch gut haftet. Häufig dauert dieser Schritt länger als später das Tapezieren selbst. Der Untergrund muss vor allem trocken, sauber, saugfähig und glatt sein.
Schritt 1: Saugfähigkeit testen
Prüfen Sie die Saugfähigkeit, indem Sie ein wenig Wasser auf die Wand geben. Sollte das Wasser abperlen, müssen Sie vor dem Tapezieren eine sogenannte Rollenmakulatur auftragen.
• Ideal zum Glätten und Ausgleichen von Wand- und Deckenflächen
• Sorgt für eine gleichmäßige, saugfähige Oberfläche vor dem Tapezieren
• Einfach mit Wasser anrühren, gut verarbeitbar und ergiebig
Schritt 2: Zu stark saugfähig?
Falls die Wand zu stark saugfähig ist, muss diese schon vorab einmal grundiert oder eingekleistert werden.
Schritt 3: Hafttest mit Klebeband
Nun müssen Sie noch prüfen, ob die Wand auch tragfähig ist. Ritzen Sie dazu den alten Anstrich an einer Stelle etwas an und kleben etwas Klebeband darauf. Der Klebestreifen wird dann mit einem Ruck abgezogen. Wenn Farbe daran haften bleibt, dann wird die Wand der neuen Tapete nicht genügend Haftfähigkeit bieten. In solch einem Fall muss die alte Tapete oder der alte Anstrich erst gründlich entfernt werden.
Schritt 4: Steckdosen und Schalter demontieren
Bevor Sie mit dem Tapezieren beginnen, sollten Sie noch alle Steckdosen und Schalter demontieren. Aber Achtung! ➡️ Dazu die Sicherung abschalten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Tapezieren

Schritt 1: Bahnen zuschneiden
Schneiden Sie zu Beginn schon einmal alle Tapetenbahnen zu. Rechnen Sie oben und unten jeweils fünf Zentimeter hinzu. Legen Sie die Tapetenbahn auf den Tapeziertisch (Rückseite der Tapete nach oben). Die Bahn wird dann mit einem Messer oder einer Schere gekürzt. Beachten Sie bei gemusterten Tapeten, dass die Muster an den Übergängen übereinstimmen müssen.
Schritt 2: Kleister auftragen (für Papiertapeten)
Nehmen Sie sich jetzt jede Bahn einzeln vor. Tragen Sie genügend Kleister auf die Rückseite der Tapeten auf. Der Kleister sollte lieber etwas dicker als zu dünn sein. Mit der Kleisterbürste müssen Sie nun den Kleister von der Mitte der Bahn bis hin zu den Enden verteilen. Achten Sie darauf, dass die Schicht gleichmäßig und glatt ist, sonst wird sich die Tapete schnell wieder von der Wand ablösen.
❗ Aber: Vliestapeten werden NICHT eingekleistert.
→ Bei Vliestapeten wird nur die Wand eingekleistert („Wandklebeverfahren“).
Schritt 3: Weichzeit
Legen Sie nun die Tapete für ungefähr 10 Minuten zusammen. Das eine Ende der Bahn wird zu zwei Dritteln und das andere zu einem Drittel nach innen geklappt, sodass die Längskanten übereinander liegen. Die Bahn darf nicht zu fest zusammengefaltet werden. Die Endkanten sollten kleine Schlaufen bilden.
❗ Für Vliestapeten entfällt dieser Schritt komplett.
Schritt 4: Wand vorbehandeln
Die Wand wird vor dem Anbringen von Papiertapeten mit etwas verdünntem Kleister angestrichen.
❗ Für Vliestapeten: Wand einstreichen, Tapete direkt anbringen.
Schritt 5: Lotlinie ziehen
Nehmen Sie jetzt das Lot in die Hand und zeichnen Sie mit einem Bleistift einen senkrechten Strich auf die Wand. An dieser Markierung können Sie sich dann bei der ersten Bahn orientieren.
Schritt 6: Erste Bahn ankleben
Jetzt geht’s richtig los. Setzen Sie die erste Tapetenbahn oben entlang der Linie an. Lassen Sie die Tapete oben noch ungefähr zwei Zentimeter überstehen. Die Bahn wird nun nach unten hin entfaltet und an der Markierungslinie ausgerichtet. Dank des Kleisters können Sie die Bahn immer noch hin und her verschieben.
Schritt 7: Andrücken mit Tapezierbürste
Wenn Sie jetzt die richtige Position gefunden haben, wird die Tapete mit der Tapezierbürste von der Mitte zu den Seiten und zwar von oben nach unten, sanft festgestrichen.
❗ Alternativ: Gummiwalze oder Rakel
Schritt 8: Überstände abschneiden
Jetzt können Sie noch die Überstände an der Decke und am Boden vorsichtig entfernen.
Schritt 9: Weitere Bahnen anlegen
Die restlichen Tapetenbahnen werden an der ersten Bahn ausgerichtet. Ab und an sollten Sie aber mit einem Lot kontrollieren, ob noch alles gerade ist.
Schritt 10: Nähte glätten
Ganz zum Schluss können Sie die Nähte noch mit einem Nahtroller glätten, sodass ein sauberer Übergang entsteht.
❗ Bei Vliestapeten aufpassen: Nicht zu stark drücken, sonst quetscht man den Kleister heraus.
Videoanleitung
Hier können Sie alle Schritte noch einmal im Video nachvollziehen.
Fototapete
Fototapeten bestehen heute meist aus Vlies und sind dadurch leicht zu verarbeiten. Wichtig ist ein glatter, einfarbiger Untergrund, damit das Motiv später sauber wirkt. Die einzelnen Bahnen sind nummeriert und werden genau aneinandergelegt, damit das Bild stimmt. Bei Vlies-Fototapeten kommt der Kleister direkt auf die Wand, nicht auf die Tapete. Wenn die Bahnen anschließend von der Mitte nach außen glattgestrichen werden, entstehen keine Blasen und das Motiv schließt sauber ab.



Vielen Dank für diese Anleitung zum Tapezieren! Ich möchte mein Wohnzimmer neu tapezieren und habe dafür einen Tapezierer beauftragt. Beim nächsten Mal werde ich schauen, ob ich es auch alleine schaffe und diese Tipps beherzigen. Guter Hinweis, dass die Formel zur Berechnung des Tapetenbedarfs „Raumumfang x Raumhöhe : 5 = Bedarf“ ist!