Bausparen – Achtung: Kaum Rendite bei Niedrigzinsen!

Vorsichtige Kapitalanleger investieren eher in einen Bausparvertrag als in einen Aktienfonds. Das die Rendite dabei aber fast Null ist, wissen die Wenigsten.

Bausparen - Achtung Falle bei Niedrigzinsen

Die meisten deutschen Arbeitnehmer nutzen das Angebot vermögenswirksamer Leistungen. Zur Auswahl steht neben einer betrieblichen Altersversorgung und dem Investmentsparen immer noch das Bausparen. Bausparen ist der Klassiker unter den Sparanlagen, unabhängig davon, ob Immobilienerwerb geplant ist oder nicht. Das führt leider auch dazu, dass diese Geldanlage in Bezug auf die Rendite kaum hinterfragt wird.

Arbeitnehmersparzulage = Rendite
Bei vermögenswirksamen Leistungen lebt die Rendite von der Arbeitnehmersparzulage. Die wenigsten Arbeitnehmer erfüllen allerdings die Voraussetzungen, noch in den Genuss dieser Förderung zu kommen. Sie beträgt beim Bausparen neun Prozent pro Jahr auf einen Sparbeitrag von maximal 480 Euro. Voraussetzung ist allerdings, dass das zu versteuernde Einkommen bei Singles 17.900 Euro und bei Verheirateten 35.800 Euro nicht übersteigt.

Niedriger Guthabenzins macht Bausparen zum Minusgeschäft

In den meisten Fällen bleibt Ihnen als Sparer aber nur der Guthabenzins. Und dieser fällt mit einer Höhe zwischen 0,25 und 0,5 Prozent bei den Standardverträgen ziemlich mies aus. Tatsache ist, dass Bausparen unter diesen Bedingungen als Vermögensaufbau völlig untauglich ist, vielmehr zu einem Minusgeschäft für den Anleger wird. Warum das so ist, lässt sich an einem Rechenbeispiel sehr schön belegen.

Bausparkassen verlangen eine Abschlussgebühr. Im günstigsten Fall beträgt diese 1 Prozent auf die Bausparsumme. Es gibt auch Anbieter, die durchaus 1,6 Prozent in Rechnung stellen. Fällt das Institut in die Kategorie der Bausparkassen, welche diese Gebühr zurückerstatten, wenn kein Darlehen in Anspruch genommen wird, ist die Rendite nur sehr gering. Wird die Abschlussgebühr generell nicht zurückerstattet, wird die Rendite negativ – Sie als Sparer zahlen drauf.


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Rechenbeispiel auf Basis der vermögenswirksamen Leistungen

Angenommen, Sie zahlen sechs Jahre lang jeden Monat 40 Euro in einen Standardtarif für einen Bausparvertrag ein, beträgt die Summe der Einzahlungen insgesamt 6 * 12 * 40 = 2.880 Euro. Verzinst wird das Guthaben am Ende des Jahres jährlich mit 0,5 Prozent, um wohlwollend zu kalkulieren. Im siebten Jahr ruht das Guthaben und wird nur verzinst. Am Ende des siebten Jahres steht Ihnen damit eine Summe von 2.938,76 Euro zur Verfügung. Daraus ergibt sich ein Gesamtzinsertrag von 58,76 Euro.

Standardtarife setzen sich jedoch in der Bausparsumme selbst zu je 50 Prozent aus der Eigenleistung und 50 Prozent aus dem möglichen Darlehen zusammen. Die Bausparsumme beträgt in diesem Fall also 2.880 * 2 = 5.760 Euro. Die Abschlussgebühr wiederum wird auf die gesamte Bausparsumme berechnet. Bei einem Prozent wären das 57,60 Euro.

Der Erlös: minimale Rendite

Ziehen Sie nun die Gebühren von den Zinsen ab (als 58,76 Euro – 57,60 Euro), die Kontoführung ist noch gar nicht berücksichtigt, verbleibt nach sieben Jahren ein Ertrag von lediglich 1,16 Euro – ohne Worte.

Wie gesagt, die jährliche Kontoführung ist noch nicht einberechnet, führt aber letztendlich definitiv zu einem negativen Ergebnis.

Liegt der Zins nur bei 0,25 Prozent, führt dies zu einem Gesamtzinsertrag von 29,24 Euro. Abzüglich der Abschlussgebühr verbleibt immerhin nach sieben Jahren ein Minus von 28,36. Nicht berücksichtigt sind ebenfalls die Kontoführungsgebühren. Und, was noch erschwerend hinzukommt, vermögenswirksame Leistungen werden aus dem Nettoeinkommen bezahlt, das heißt, sie unterliegen in voller Höhe der Sozialversicherung und der Lohnsteuer.

Zum Vergleich: Ein konservativer Aktienfonds, der bei einer Direktbank ohne Ausgabeaufschlag und ohne Kontoführungsgebühr mit den gleichen zeitlichen Konditionen nur im Schnitt drei Prozent Wertentwicklung im Jahr erwirtschaftet, weist zum Ablauf der Sperrfrist einen Ertrag von 369,95 Euro auf.

Aber warum empfiehlt mir mein Bankberater trotzdem einen Bausparvertrag?
Weil er in der Regel kein Berater sondern ein Verkäufer ist. Getrieben von Abschlüssen und Provisionen. Bei Abschluss eines Bausparvertrages erhält der “Bankberater” ca. 1 – 2% Provision auf die Bausparsumme. Das heißt konkret: Beträgt Ihre Bausparsumme 10.000 Euro – kassiert der Berater angenehme 100 – 200 Euro für Ihre Unterschrift.

Fazit

Grundsätzlich gilt (nicht nur für die Anlage in VL), dass Bausparen in Zeiten niedriger Hypothekenzinsen ein schlechtes Geschäft ist und als Kapitalanlage nur mäßig etwas taugt. Selbst wenn die Abschlussgebühr zurückerstattet wird, sind die Erträge nicht besonders rentabel.

Über Uwe Rabolt 163 Artikel
Jahrgang 1959, Bankkaufmann, Versicherungsfachman (BWV). Amerikanistik- und Linguistikstudium (M.A.), Frankfurt am Main. Von Januar 1985 bis Dezember 2010 im on- und offline-Vertrieb im Sektor Finanzdienstleistungen tätig. Seit dem als Web-Texter mit Schwerpunkt Finanzdienstleistungen aktiv. Siehe auch: http://www.finanzmikroskop.de

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